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Absicherung im Handwerk: Rückblick in die Geschichte

Seit seinen Anfängen ist der Münchener Verein dem Handwerk engstens verbunden. Dieses starke Band besteht nicht von ungefähr. Ein Rückblick in die Geschichte zeigt: Das innige Verhältnis zwischen Handwerk und Versicherung hat eine lange Tradition. Schon im Mittelalter entstehen mit den Zünften erste berufsständische Vereinigungen. Sie dienen der Wahrung gemeinsamer Interessen und formen in ihrer Gesamtheit ein soziales und ökonomisches System. Das regelt alle Fragen rund ums Handwerk – von Löhnen und Preisen über die Lieferung von Rohstoffen und die Menge verkaufter Güter bis hin zu der Zahl von Gewerbetreibenden, die in einer Stadt oder Region tätig sein dürfen.

  • Tradition als Ursprung für enge Verbindung mit dem Handwerk
  • Die Anfänge des Zunftwesens
  • Erste Formen der Versicherung
    Urkunde einer Handwerker-Bruderschaft

    Die Anfänge des Zunftwesens in der Stadtgründungsphase

    Das Wort „Zunft“ geht zurück auf das Althochdeutsche zumft, eine Ableitung zu dem Verb „ziemen“. Die Zunft achtet darauf, was sich ziemt. Damit zielt der Begriff auf das strenge Regelwerk der Zunftordnungen ab. Die bestimmen nicht nur die berufliche Tätigkeit der Handwerker, sondern machen auch Vorgaben für tadelloses Verhalten im Privaten. Die Anfänge des Zunftwesens liegen in der Zeit der hochmittelalterlichen Stadtgründungsphase, in der eine Vielzahl neuer Städte entsteht. Zu dieser Zeit spezialisieren sich die Handwerkszweige stark. Ihre Akteure sehen zunehmend die Notwendigkeit, sich zu organisieren. Eine Zunft umfasst jeweils eine Berufsgruppe, in manchen Fällen auch mehrere. Ihre Mitglieder zeigen die Zugehörigkeit nach außen mit besonderen Kleidungsstücken und je nach Zunftordnung auch mit Wappen und weiteren Zunftzeichen.

    Kunstgewerblich wertvolle Zunftlade

    Unterstützung für Mitglieder in Nöten

    Zu den Aufgaben der Zünfte gehört es auch, Mitglieder in Nöten zu unterstützen. Die Gründe sind so zahlreich wie die Wechselfälle des Lebens. Dazu zählen etwa Krankheiten und Unfälle aller Art, die oft drastische Verdienstausfälle zur Folge haben – oder gar den Tod. Die Zünfte leisten Beihilfe zu den Kosten von Wundärzten und Badern. Sie gewähren auch Zuschüsse für den Aufenthalt im Spital; manche Zünfte unterhalten dort sogar eigene Betten für ihre Mitglieder. Im Todesfall helfen sie die Beisetzung auszurichten und unterstützen bei Bedarf die Hinterbliebenen finanziell. Eine zentrale Rolle spielt hierbei die Einbindung in die Religion, sei es in Bezug auf das Bestattungsbrauchtum mit zunfteigenem Zubehör, sei es die Übernahme der Kosten für die Messe.

    Herzog Wilhelm V. von Bayern

    Frühe Formen der Versicherung

    Diese Maßnahmen zur Beihilfe sind durchaus als Versicherung zu sehen: Handwerker haben Beiträge an die Kasse ihrer Zunft zu leisten. Das Geld wird zusammen mit Urkunden, sonstigen Schriftstücken und Wertgegenständen der Zunft in einer Truhe aufbewahrt, der Zunftlade. Aus dieser Lade erhalten bedürftige Mitglieder dann ihre Leistungen. Die Voraussetzungen hierfür sind meist in den Satzungen der Zunftordnungen geregelt. Hier lassen sich bereits alle Merkmale einer Versicherung im heutigen Sinn finden. Als im 17. und 18. Jahrhundert die Macht der Zünfte an Bedeutung verliert, gehen die Aufgaben der Zunftladen in neue Institutionen über. Die nennen sich je nach Zweck Kranken-, Begräbnis- oder Totenladen, später auch Kranken- oder Sterbekassen. Auf diese Weise haben das Handwerk und seine Vereinigungen schon sehr früh zum Entstehen und zur Entwicklung der Versicherungen beigetragen.

    Emblem der Kranken- und Sterbekasse für Zimmerleute

    Der Herzog und die vier Zimmerer – ein Märchen?

    Wie ein Märchen klingt die Gründungsgeschichte der ältesten Münchener Kasse. Der Überlieferung nach hat sie sich im Jahr 1606 abgespielt. Auf der Sauhatz vor den Toren der Hauptstadt fällt ein wilder Eber – so heißt es – Herzog Wilhelm V. von Bayern an. Vier Zimmerer, die im Wald Holz schlagen, eilen ihrem Landesfürsten zu Hilfe. Sie erschlagen den Eber mit ihren Äxten und retten den Herrscher so vor dem sicheren Tod. Als die Männer sich untertänig wieder entfernen wollen, hält Wilhelm einen von ihnen zurück. Zur Belohnung für die tapfere Tat solle der Handwerker einen Wunsch äußern. Für sich und seine Kameraden erbittet sich der Mann daraufhin die Erlaubnis, in der Vorstadt Au einen Bruderbund der Zimmerleute gründen zu dürfen. Der soll der Unterstützung von kranken und verunglückten Handwerkskollegen dienen. Anderntags lädt der Herzog seine Retter zu sich ein und gibt ihnen die schriftliche Erlaubnis, einen solchen Bund zu gründen. Als Grundstock stiftet er höchstpersönlich die damals ungeheure Summe von 100 bayerischen Talern. Ob die Erzählung stimmt – wer weiß es. Immerhin bestätigt eine Urkunde von 1729 mit dem Siegel des kurfürstlichen Landgerichts ob der Au, dass die Kasse zu diesem Zeitpunkt schon seit über hundert Jahren besteht. In jedem Fall zeigt die Geschichte deutlich, wie wichtig Handwerker schon damals das Thema Versicherung nehmen.

    Kranken- und Unterstützungskassen auf berufsständischer Grundlage

    Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wird der Bedarf im Handwerk nach Absicherung drängend. Es gilt, effiziente Versorgungsanstalten auf berufsständischer Grundlage zu schaffen. Den entscheidenden Impuls dafür liefert ausgerechnet die Einführung der gesetzlichen Krankenversicherung im Jahr 1883. Aus der sind selbständige Handwerker und Gewerbetreibende nämlich ausgeschlossen. Der Deutsche Handwerks- und Gewerbekammertag nimmt sich gleich nach seiner Gründung im Jahr 1900 der Sache an. Seinen Versuch, Handwerk und Gewerbe in die Sozialversicherung aufzunehmen, lehnt die Regierung des Deutschen Reichs jedoch ab. In der Folge fasst der Bund bei seiner 7. Jahrestagung im September 1906 einen historischen Beschluss. Den Handwerks- und Gewerbekammern empfiehlt er, Kranken- und Unterstützungskassen für ihre Mitglieder einzurichten. Mit diesem Vorschlag knüpft er an die weit zurückreichende Tradition der Zünfte an. Auf den Beschluss hin entsteht eine Vielzahl von Kassen und Vereinen zur Absicherung von Handwerk und Gewerbe. Viele von ihnen sind in noch heute bestehenden Unternehmen aufgegangen. Auch der Münchener Verein kann seine ältesten Wurzeln auf solch frühe Kranken- und Sterbekassen zurückführen.

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